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Der folgende Artikel erschien am 7. Mai 2020 in der SHZ (Flensburger Tageblatt)

Gelting: Polder-Gegner reichen Klage ein

GELTING Gegen den Polderbau zum Schutz vor Binnenhochwasser in Gelting hat sich neuer Widerstand formiert. Der Kreis Schleswig-Flensburg hatte nach Ende eines langjährigen Planfeststellungsverfahrens grünes Licht für den Bau eines Polders gegeben und seine Unterlagen abschließend im Steinbergkirchener Verwaltungsgebäude zur Einsichtnahme ausgelegt. Die zweiwöchige Frist, die mitten in die Corona-Krise fiel und zeitweise in der Phase der verschlossenen Amtstüren stattfand, ist inzwischen verstrichen. PolderGegner haben jetzt Klage eingereicht. Sie wollen per Gerichtsurteil erzwingen, dass die sofortige Vollstreckung des Bauvorhabens verhindert wird. Sie favorisieren nach wie vor die Umleitung von Hochwasser mit einem kanalähnlichen Graben. Ralf Petersen von der Kreiswasserbehörde bestätigte auf Anfrage den Sachstand und sagte, das zuständige Oberverwaltungsgericht habe sich für ein Eilverfahren entschieden. „Der Ausgang ist offen, aber unabhängig von der juristischen Entscheidung laufen parallel die Planungen für den Bau des Polders weiter.“ Es dürfe keine weitere Zeit verloren gehen. So werde das Ziel verfolgt, im Falle eines positiven Richterspruchs unverzüglich dem Wasserund Bodenverband Geltinger und Stenderuper Au freie Hand für den Baubeginn zu geben. Deshalb stünden jetzt auch die Ausschreibungen für die Baugewerke bevor. Gerechnet wird mit dem Polderbau im nächsten Jahr. hjk


Hier zwei Reaktionen auf den Artikel

Geltinger Polder-Gegner reichen Klage gegen die sofortige Vollstreckung des Bauvorhabens Polder ein.

Wen wundert‘s?

Sofortige Vollstreckung bedeutet, dass Landbesitzer zuvor enteignet werden müssen, damit der Polderbau unverzüglich zum Schutz der Bevölkerung beginnen kann.

Eine dümmliche Ausrede.

  1. Der Wasser- und Bodenverband Geltinger- und Stenderuper Au hat sieben Jahre ungenutzt verstreichen lassen. In dieser Zeit hat der Verband keine zukunftsweisende Lösung für das Geltinger Binnenhochwasser erarbeitet.

 

  1. Jedem Bürger steht das Recht zu, sich gegen eine Enteignung zu wehren, besonders dann, wenn eine sinnvollere Alternativlösung vorliegt.

Diese gibt es!

Das Problem des Binnenhochwassers wird durch den von der IG LaWa vorgeschlagenen naturnah gestalteten Bachlauf, der Gelting östlich umfließen soll, wasserbautechnisch, ökologisch und finanziell sinnvoller gelöst als durch den Bau eines Polders.

Wasserbautechnisch besser, weil

  • die für den Polder nötigen Regelbauwerke entfallen.

  • die innerörtliche 500 m lange Verrohrung der Geltinger Au entlastet wird.

    (Der Geburtsfehler der innerörtlichen Verrohrung, der zu kleine Rohrdurchmesser, der für bisherige Hochwasser im Ort verantwortlich war, fiele nicht mehr ins Gewicht, da die Rohrleitung nur noch die im Ort entstehenden Wassermengen abführen müsste.)

  • ein Polder überlaufen kann, ein Bachlauf jedoch ablaufen lässt.

Ökologisch besser, weil

  • die Geltinger Au befreit von ihrer 500 m örtlicher Rohrführung von der Quelle bis zur Mündung als offenes Gewässer geführt wird (Gewinn für Pflanzen, Tiere, Einheimische und Touristen).

Finanziell besser, weil

  • Zuschüsse der EU bis zu 90% der Bausumme möglich wären, wenn der Vorstand des Wasser- und Bodenverbandes Gelting- und Stenderuper Au entschlossen und energisch schriftlich einen Antrag auf Förderung gemäß den EU- Wasserrahmenrichtlinien in Kiel stellen würde, statt verzagt zu klagen, dass es von dort keine Hilfe gäbe.

Ein solcher Antrag ist bisher nicht gestellt worden. Ist es Trägheit oder Trotz, weil der Hinweis darauf nicht aus den eigenen Reihen kommt?

Nun sollen die Verbandmitglieder, der Gemeindehauhalt, die sogenannten Vorteilsnehmer (ca. 85 Grundstückseigentümer), der Kreis und das Land die Zeche zahlen. Es handelt sich um Unsummen, die leicht hätten eingespart werden können.

      - Klaus Bösselmann -
   2. stellvertr. Vorsitzender LaWa

 


 

Unsere Forderungen an den WBV Geltinger- und Stenderuper Au:

 

  • Beantragung der Förderung nach den Wasserrahmenrichtlinien der EU.

  • Einhaltung der EU Wasserrahmenrichtlinien, in denen ausdrücklich ein Verschlechterungsgebot formuliert ist.

    (Das geplante Drosselwerk und die zusätzliche Verrohrung von etwa 15 m widersprechen der EU WRRL.)

  • Bau eines Hochwasserschutzes in Form eines naturnah gestalteten Bachlaufs.

    (Ausschließlich diese Lösung ermöglicht eine bis zu 90%tige Förderung nach EU WRRL – finanzieller Schaden für die ca. 750 Mitglieder des WBV würde damit verhindert, die sogenannten Vorteilsnehmer nicht außerordentlich belastet werden.)

  • Naturschutz und Nachhaltigkeit müssen berücksichtigt werden.

  • Die Ausgleichsfläche für das Baugebiet „Op de Barg“ darf keiner Doppelnutzung (Polder sowie Ausgleichsfläche) unterliegen.

  • Differenzierte Angaben über die Kostenverteilung müssen erstellt werden.

    (Erschwerer und Vorteilsnehmer)

  • Erstellung eines Lösungsvorschlags für die Eigenvorsorge sowie die Offenlegung der Kostenbeteiligung für diese Maßnahme.

 

Es ist den Geltinger Bürgern nicht zuzumuten

  • dass die Gemeinde sich mit € 300.000,-- an den Kosten beteiligt. (Diese Summe rekrutiert sich aus den Steuergeldern der Bürger.)

  • dass der WBV alleiniger Entscheidugsträger dieser Maßnahme ist.

  • dass die 85 sogenannten Vorteilsnehmer nach heutiger Schätzung ca. € 400.000,-- aufbringen und letztlich noch eine Eigenvorsorge treffen müssen.

 

- Hans-Peter Buchholz -
  1. Vorsitzender LaWa