LaWa*
Erstaunliche Berichterstattung
Zu unserem größten Erstaunen erschien am 28.06.19 ein Bericht in einigen Ausgaben  der SHZ mit der Überschrift
"Kompromiss im Hochwasserstreit"



Ein Polder und ein offener Kanal zusammen sollen künftig Gelting vor Überflutungen bei Starkregen bewahren. GELTING | Vor fast acht Jahren stand der Geltinger Ortskern unter Wasser, aber der Hochwasserschutz ist bislang immer noch nicht gewährleistet. Die Geltinger Gemeindevertretung hat das schier unendliche Gerangel um die beste Lösung satt. Die Mandatsträger wollen jetzt die gespaltenen Lager der Befürworter eines Rückhaltebeckens (Polders) und einer kanalähnlichen Umleitung um den Ortskern herum an einen Tisch holen und einen Kompromiss finden. Gemeindevertreter Hans-Christian Jürgensen, Vorsitzender der kommunalen Lenkungsgruppe „Hochwasser“, fasste die Situation zusammen: „Wenn es zur konkreten Planung kommt, wird die jeweils andere Seite versuchen, diese zu verzögern, möglichst teuer zu machen und am Ende mit anwaltlicher Unterstützung zu kippen.“ Dabei dürfe nicht vergessen werden, dass schon Ausgaben in sechsstelliger Höhe investiert worden seien – ohne sichtbaren Nutzen. Eine ungewöhnliche Idee Bürgermeister Boris Kratz befürwortete den vorgeschlagenen Weg zur Findung einer Kompromiss-Lösung, mit der aus dem bisherigen Gegeneinander ein Miteinander entstehen soll. Dabei wird nunmehr eine ungewöhnliche Idee ins Auge gefasst. Jürgensen: „Wir schlagen vor, sowohl das Rückhaltebecken als auch eine offene Umleitung um die Ortslagen zu bauen.“ Die Finanzierung dieses Doppelprojekts könnte aus unterschiedlichen Töpfen erfolgen. Parallel dazu erwartet der Lenkungsausschuss eine ökologische Verbesserung für die Stenderuper und die Geltinger Au. Zur Agenda gehört, dass zuerst der Polder entsteht, zumal die Landesregierung für diesen Bau schon einen Zuschuss von einer halben Million Euro reserviert hat. Gespräche am runden Tisch GELTING Kompromiss im Hochwasserstreit 23.7.2019 https://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/kompromiss-im-hochwasserstreit-id24466162.html?print=1 https://www.shz.de/lokales/schleswiger-nachrichten/kompromiss-im-hochwasserstreit-id24466162.html?print=1 2/2 Einmütig sprachen sich die Gemeindevertreter für dieses Konzept aus und beschlossen, mit Experten sowie den Verantwortlichen des zuständigen Wasser- und Bodenverbandes (pro Polder) und der Geltinger Interessengemeinschaft für Land-Gewässer und Hochwasserschutz (pro Umleitung) Gespräche am runden Tisch zu führen. Bei der Polder- plus Umleitungslösung wäre der Binnenhochwasserschutz bestmöglich gewährleistet, hieß es. Im weiteren Verlauf der Sitzung gab die Vertretung grünes Licht für die dringend erforderliche Sanierung der 400-Meter-Laufbahn um den Geltinger Sportplatz herum. Gesamtkosten: 500.000 Euro. Die Kommune beteiligt sich an der Finanzierung mit maximal 200.000, der MTV Gelting mit 100.000 Euro. Das Land fördert das Vorhaben mit einem Anteil von 38,87 Prozent. Für die Planung eines Sachverständigen müssen rund 25.000 Euro aufgewendet werden. Weiterentwicklung des Ortes Das Ordnungsamt Geltinger Bucht soll eingeschaltet werden, weil sich bei einer Begehung herausgestellt hat, dass sich in den drei Siedlungen Mühlenfeld etliche Hauseigentümer nicht an die Vorschriften der Bebauungspläne gehalten haben. Eine Modernisierung des Feuerwehrgebäudes in Stenderup wird von der Gemeindevertretung als notwendig erachtet. Zwar liegt schon ein erster Vorentwurf vor, aber über Details muss noch gesprochen werden. „Wir gestalten Gelting“ heißt es demnächst in einer Umfrage. Es geht um eine Bestandsaufnahme und Ideen für die künftige Weiterentwicklung des zentralen Ortes. Den Einzelhandel soll das Hamburger Büro Dr. Lademann und Partner GRZwo unter die Lupe nehmen. Autor: Hans-Joachim Köhler

In seiner Kolumne "Am Rande"  griff Gero Trittmaack am 29.06.19 das Thema  auf.


Hier nur ein Zitat:
"... Der Ort braucht dringend einen Hochwasserschutz. Etwas Sichtbares ist ... nicht zu Stande gekommen - aber hinter den Kulissen ist eine erbitterte Feindschaft zwischen den Befürwortern eines Rückhaltebeckens (Polder) und eines Umleitungskanals entstanden. Die beiden Seiten haben sich blockiert und (sind) vor Gericht gezogen."

 
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Am 27.06.19 hatte in Gelting eine Mitgliederversammlung der IG LaWa stattgefunden.

Ein Vereinsmitglied, das hieran teilgenommen hatte, schrieb folgenden Leserbrief, der von vier weiteren Mitgliedern mitgezeichnet wurde:


Zum Artikel „Kompromiss im Hochwasserstreit“ - 28. Juni 2019 - Hans-Joachim Köhler


Die Mitgliederversammlung der IG LaWa (IG für Landgewässer- und Hochwasserschutz Gelting 2011 ev. ) ist seit 10 Stunden beendet. Wir schlagen den Schleiboten auf und lesen: „Kompromiss im Hochwasserstreit - Ein Polder und ein offener Kanal sollen künftig Gelting vor Überflutungen… bewahren.“

Wie bitte? Wer hat da über Nacht getagt? Gestern war hiervon nicht die leiseste Rede!

Tatsächlich suggeriert die Überschrift eine beschlossene Sache. Liest man weiter, klingt es nicht wesentlich aber doch ein b i s s c h e n anders. Man liest heraus, dass es Gespräche zum Thema geben soll.

Wir werden über hohe, nutzlose Investitionen informiert. Die Frage w e r investiert hat, w o h e r die Gelder stammen, bleibt unbeantwortet.

Eine kanalähnliche Umleitung soll entstehen ist dem Text zu entnehmen. Nanu?

In sämtlichen Veröffentlichungen der IG LaWa ist von einem offenen, erweiterungsfähigen, ökologisch wertvollen Umgehungsgerinne die Rede.

Von einem „Hochwasserstreit“, „schier unendlichem Gerangel“ und „gespaltenen Lagern“ ist die Rede.

Wir haben an vielen Erörterungen der zum Polder Plan eingegangenen Einwendungen teilgenommen. Auf keiner Seite haben wir eine Verzögerungstaktik, eine Verteuerungstaktik oder andere gegeneinander gerichtete Verfahrensweisen festgestellt. Der Artikel allerdings unterstellt Böswilligkeit.

Mit Thorsten Roos (UNB) hatten wir den Eindruck: „Das war ein Lehrbeispiel für Demokratie“.

Der Artikel vom 28.06. ist deutlich manipulativ. Er trägt dazu bei, Unruhe zu stiften, einen „Streit“ zu suggerieren, den es so in Gelting nicht gibt. Aufklärung über die Inhalte der beiden Planungen, deren Finanzierungs- und Realisierungspläne wäre hilfreich gewesen. Schade!

Ungläubig lesen wir das Zitat des Vorsitzenden der Lenkungsgruppe:

„Wenn es zur konkreten Planung kommt, wird die jeweils andere Seite versuchen, diese zu verzögern, möglichst teuer zu machen und am Ende mit anwaltlicher Unterstützung zu kippen.“

Diese Aussage ist spalterisch. Sie ist nicht dazu geeignet, Parteien mit unterschiedlichen Lösungsansätzen an einen Tisch zu führen.

Inständig hoffen wir, dass das falsch zitiert wurde!Jeder Lenkungsausschuss beginnt seine

Arbeit mit der Zielformulierung.

Wie lautet diese Formulierung in Gelting?

 

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Hier die Antwort der Redaktion:

Wir werden Ihren Leserbrief nicht berücksichtigen. Die Argumente in der Sache sind ausgetauscht, die Überschrift über dem Artikel ist zugegeben zugespitzt, aber das ist eine Aufgabe, die Überschriften erfüllen und die Kollegen haben inhaltlich sachlich und wahrheitsgemäß berichtet. Wir werden also die weitere Entwicklung und die Gespräche, die geführt werden sollen, begleiten und über die Ergebnisse, wie die Leser es erwarten dürfen, sachlich und wahrheitsgemäß berichten. 

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Hans-Peter Buchholz - 1. Vorsitzender der IG LaWa - verfasste folgende Gegendarstellung:


 

Gegendarstellung zum Bericht “Kompromiss im Hochwasserstreit“ vom 28.06.2019

 

Zitat: „Kompromiss im Hochwasserstreit“

 

Richtig ist: Es gibt bisher keinen Kompromiss im Hochwasserstreit. Ein solcher wird jedoch angestrebt.

 

Zitat: „Die Mandatsträger wollen jetzt die gespaltenen Lager der Befürworter eines Rückhaltebeckens (Polders) und einer kanalähnlichen Umleitung um den Ortskern herum an einen Tisch holen ...

 

Richtig ist, dass von der Interessengemeinschaft LaWa keine kanalähnliche Umleitung sondern ein offenes, naturnah ausgebautes Fließgewässer, östlich um Gelting verlaufend, gefordert wird.

Träger öffentlicher Belange unterstützen diese Maßnahme.

Es entspricht den Anforderungen der EU Wasserrahmenrichtlinien und stellt eine größtmögliche Förderung in Aussicht.

 

Gegendarstellung zum Bericht „In die Berge oder ans Meer“ vom 29.06.2019

 

Zitat: „Etwas Sichtbares ist … nicht zustande gekommen...“

 

Richtig ist, dass beide Seiten in diversen Gesprächen ihre jeweilige Sichtweise dargestellt haben, dass ca. 600 Einwände gegen den Polder eingegangen sind, dass ein Planfeststellungsverfahren eingeleitet wurde, dass die Einwände in öffentlichen Anhörungen tagelang bearbeitet wurden und dass deren Abwägung nun dem Kreis Schleswig-Flensburg obliegt. (Nachzulesen in einer Vielzahl von Protokollen und Berichten)

 

Zitat: „Die beiden Seiten haben sich bekämpft, blockiert und (sind) vor Gericht gezogen.“

 

Richtig ist, dass niemand vor Gericht gezogen ist, niemand blockiert und nach einem Planfeststellungsverfahren eine sorgfältige Abwägung geraume Zeit in Anspruch nimmt.


Bisher ist diese Gegendarstellung nicht veröffentlicht worden!